Ende Juni haben wir mit der Konzeption der digitalen Anwendungen für das Projekt „Klimaangepasste Radwege im Landkreis Stade“ begonnen. Ziel ist die Entwicklung eines wetterbasierten Routingbot mit KI-Reiseagent sowie digitale Umweltbildungs-, Storytelling- und Quizformate.
Das geplante Informationssystem verbindet touristische Daten mit Wetter, Standort, Infrastruktur und Umweltbedingungen. Radreisende erhalten dadurch Empfehlungen, die zur gewählten Route und zur aktuellen Situation passen.

Wetterdaten verändern die Routenempfehlung
Das System bewertet eine Radtour anhand der jeweils relevanten Bedingungen. Wetterdaten werden dafür mit Streckenverläufen, Infrastrukturpunkten und touristischen Angeboten verknüpft.
Bei hohen Temperaturen kann die Anwendung beispielsweise:
- schattige Streckenabschnitte bevorzugen,
- Trinkwasserstellen und Badegelegenheiten einbeziehen,
- kürzere oder weniger belastende Etappen vorschlagen.
Bei starkem Wind berücksichtigt die Routenplanung geschützte Abschnitte und geeignete Fahrtrichtungen. Bei Regen können Unterstände, Einkehrmöglichkeiten, kürzere Etappen und ergänzende Indoor-Angebote in die Empfehlung einfließen. Auch Informationen zur Luftqualität und zur Pollenbelastung lassen sich einbinden.
Damit reagiert die digitale Routenplanung auf Bedingungen, die sich während einer Reise oder sogar innerhalb eines Tages verändern können.
Ein KI-Reiseagent erklärt und begründet die Auswahl
Der KI-Reiseagent übersetzt die strukturierten Daten in verständliche Empfehlungen. Er kann passende Tagesrouten zusammenstellen, Alternativen anbieten und erläutern, weshalb eine Strecke unter den aktuellen Bedingungen geeignet ist.
Eine Empfehlung kann dabei mehrere Faktoren zugleich berücksichtigen:
- Wetter und erwartete Belastung,
- Länge und Verlauf der Route,
- aktuelle Position oder gewählten Startpunkt,
- Rastplätze, Trinkwasserstellen und Unterstände,
- persönliche Interessen und gewünschtes Aktivitätsniveau.
Die KI greift dabei auf definierte Datenquellen und fachliche Regeln zurück. Dadurch bleiben die Empfehlungen steuerbar und können an neue Daten, Routen oder Nutzungssituationen angepasst werden.
„Klimaanpassung im Radtourismus wird für Gäste konkret, wenn aus Wetter-, Routen- und Infrastrukturdaten verständliche und unmittelbar nutzbare Empfehlungen entstehen“, erklären Julia Jung und Stefan Niemeyer von jungniemeyer. „Wir entwickeln dafür ein kontrollierbares und erweiterbares Informationssystem, das vorhandene touristische Daten nutzt und situationsbezogen für die Radrouten aufbereitet.“
Umweltbildung wird Teil der Tour
Die Anwendung verbindet die Routenempfehlungen mit digitalen Inhalten zur Umweltbildung. Abhängig von Strecke, Standort und Wetter können passende Geschichten, Quizfragen und interaktive Aufgaben ausgespielt werden.
So lassen sich landschaftliche Besonderheiten, Klimafolgen und Maßnahmen zur Anpassung direkt an den jeweiligen Orten vermitteln. Eine Route wird damit zugleich zum Zugang zu regionalem Wissen.
Die Inhalte können unterschiedliche Funktionen übernehmen:
- Besonderheiten eines Landschaftsraums erklären,
- klimatische Veränderungen sichtbar machen,
- auf sensible Naturbereiche hinweisen,
- Wissen spielerisch über Quiz- und Gamification-Elemente vermitteln.
Eine Progressive Web App begleitet die Radtour
Als zentraler Zugang ist eine Progressive Web App vorgesehen. Sie läuft direkt im Browser und kann auf dem Smartphone gespeichert werden. Dadurch steht sie auch Gästen zur Verfügung, die vor der Tour keine zusätzliche App installieren möchten.
Die PWA bündelt:
- wetterabhängige Tourenempfehlungen,
- den Dialog mit dem KI-Reiseagenten,
- Informationen zur touristischen Infrastruktur,
- standortbezogene Umweltbildungsangebote,
- Storytelling-, Quiz- und Gamification-Elemente,
- aktuelle Hinweise vor und während der Tour.
Die Freigabe des eigenen Standorts bleibt freiwillig. Ohne Standortzugriff können Radreisende eine Route manuell auswählen oder allgemeine Empfehlungen für den jeweiligen Tag abrufen.
Digitale Anwendung und Routenentwicklung greifen ineinander
Die weiteren Projektbausteine bearbeitet die BTE Tourismus- und Regionalberatung. Dazu gehören insbesondere die touristische und infrastrukturelle Konzeption der klimaangepassten Radrouten sowie die Einbindung regionaler Akteurinnen und Akteure.
BTE und jungniemeyer setzen das Projekt gemeinsam um. Die Konzeption der Wege, die Anforderungen des Destinationsmanagements und die digitale Anwendung werden dabei aufeinander abgestimmt. So können Routendaten, Infrastruktur und Umweltinformationen später in einem durchgängigen Gästeservice zusammenwirken.
